Geburtsbericht A-Wurf

Die Ruhe vor dem Sturm

Am Abend des 28.Dezembers, dem 61. Trächtigkeitstag, ist noch alles ruhig. Amie frisst ganz normal und wirkt tiefenentspannt. Ihre Temperatur liegt bei 38,2 Grad. Allerdings kann ich mich auf diese Methode der Geburtszeitbestimmung sowieso nicht verlassen, da Amies Temperatur ständig zwischen 37,1 und 38,5 schwankt. Um die Geburt nicht zu verpassen, habe ich sie seit dem 56. Tag nicht mehr aus den Augen gelassen, auch wenn man normalerweise davon ausgehen kann, dass die meisten Geburten erst ab dem 58. Tag losgehen.

 

Erste Anzeichen

Um 21 Uhr abends fängt Amie plötzlich an, in ihrem Sitzsack zu scharren und sich dabei die Seele aus dem Leib zu wimmern. Das hat sie bisher noch nie gemacht... Doch nach 10 Minuten schläft sie dann zufrieden mit dem von ihr gebauten Nest ein. Gegen 23 Uhr ziehen wird dann um ins Welpenzimmer, in dem wir schon die letzten 10 Tage geschlafen haben, um Amie die Umstellung zu erleichtern.

Gegen Mitternacht wird Amie dann wieder unruhig, steht auf und tapst von der Wurfkiste ins Nebenzimmer und wieder zurück,  sieht sich immer wieder unsicher um und beharrt dann darauf zurück in ihren Sitzsack zu klettern. Sie beginnt wieder zu wimmern und wölbt plötzlich den Rücken auf...eine erste starke Wehe! 

 

Es geht los! Welpe Nr. 1 (Paul)

Ich versuche Amie davon zu überzeugen, wieder zurück ins bestens vorbereitete, penibel geputzte und gut klimatisierte Wurfzimmer zu kommen. Auf dem Weg dorthin werden die Wehen stärker und sie presst, als würde der erste Welpe schon im Geburtskanal stecken. Im Welpenzimmer angekommen legt sie sich in die Wurfkiste und wir beginnen gemeinsam zu warten. Doch während der nächsten Stunden ist sie wieder ruhiger und wird nur ab und an von einer Wehe geweckt. Gegen 5 Uhr früh löst sich dann plötzlich ein Schwall klares Fruchtwasser und ich bin mir nun sicher, dass es nicht mehr lange dauern wird, bist der erste Welpe geboren wird. Doch erst nach einer weiteren Stunde sieht man die erste Fruchtblase. In der Zwischenzeit gehen wir nochmal raus zum Lösen und Beine vertreten. Scheinbar hat das geholfen, denn kaum sind wir wieder drinnen, zieht es Amie ausgerechnet auf den alten Teppich vor ihrem Sitzsack und der der erste Welpe flutscht auf den alles andere als sauberen Boden. Es ist ein schwarz gescheckter Junge mit dunkler Stromung.  Mittlerweile ist es 06:32 Uhr. 

 

Welpe Nr. 2 (Caillou)

Der zweite Welpe lässt nicht lange auf sich warten: 12 Minuten nach dem ersten bringt Amie den zweiten kleinen Jungen auf die Welt, ebenfalls auf dem (mittlerweile sauber abgedeckten) Teppich. Leicht panisch holen wir Handtücher und ein ausgekochtes Vetbed und quartieren die frischgebackene Mama mit ihren Kindern auf dieses hygienischere Lager um. Denn eins ist klar, ein Umzug ins Welpenzimmer würde nur unnötigen Stress bedeuten und im schlimmsten Fall die Geburt unterbrechen. 

 

Welpe Nr. 3 und 4 (Leo & Lea)

Nun haben wir erstmal etwas Zeit uns zu sammeln und uns auf die Geburt der nächsten Welpen vorzubereiten. Amie bekommt etwas Traubenzucker-Wasser und ein halbe Ampulle Calcium Frubiase, was ihr scheinbar neue Kräfte gibt. Gut 30 Minuten dauert es, bis die nächsten Wehen einsetzen. Welpe Nr. 3 kommt nach 4-maligen Pressen geradezu rausgeschossen. Ich öffne die Fruchtblase, weil Amie gerade nach den anderen beiden schaut und lege ihr den Welpen zum Abnabeln und Trockenlecken vor die Nase. Nach nicht mal 5 Minuten ist der kleine Mann schön trocken und sucht den Weg zu seiner ersten Milch.

Während ich noch in den Anblick der kleinen Fellnasen vertieft bin, verpasse ich fast die Geburt von Welpe Nr. 4, der ersten Hündin. Ihre  Fruchtblase ist schon geöffnet und mit lautem Quieken fordert sie Beachtung. Amie nabelt ab und schon ist die Hündin auf dem Weg zur Milchbar...dort angekommen fängt sie, ohne viel Zeit mit der Suche nach den Zitzen zu verschwenden, an zu trinken. 

 

Welpe Nr. 5 und Nr.6 (Schnee & Merlin)

Die nächste Hündin lässt nicht lange auf sich warten: um 08:10 Uhr erblickt die weiße Schnee das Licht dieser Welt. Was mich besonders freut ist, dass ihre Zeichnung der von Amie so ähnlich ist. Mit ihrer gestromten Maske und dem vielen Weiß sieht sie fast aus wie eine Mini-Version ihrer Mutter. Auch Schnee ist kräftig und fängt sofort an zu trinken.

Genau ein halbe Stunde später ist es dann wieder soweit und mit der nächsten Wehe wird Welpe Nr. 6 geboren. Der kleine Rüde ist fast komplett weiß und sieht ein bisschen aus wie ein kleiner Eisbär.

Amie ist mittlerweile ziemlich erschöpft, kümmert sich aber unermüdlich um die Kleinen und schläft dann entspannt ein.

 

Nach 2 Stunden Warten ist Amie immer noch ruhig und auch Wehen sind keine mehr zu sehen. Darum lasse ich sie kurz in den Garten zum lösen und quartiere dann die Whippet-Familie in die Wurfkiste im Welpenzimmer um, die nun auch ohne Probleme angenommen wird.

Auch ich komme nun etwas zur Ruhe und beziehe mein Lager neben der Wurfkiste, um mich etwas auszuruhen. Ich bin mittlerweile überzeugt davon, dass die Geburt abgeschlossen ist und keine weiteren Welpen mehr zu erwarten sind. Hierfür spricht auch das Röntgenbild.

 

 

Welpe Nr. 7 und Nr. 8 (Maya & Filou)

Ich muss wohl kurz eingenickt sein, als mich plötzlich der Schrei eines Welpen aus dem Schlaf schrecken lässt! Schnell werfe ich einen Blick in die Wurfkiste und entdecke eine kleine noch nasse und nicht abgenabelte Hündin. Auch Amie scheint überrascht zu sein, scheinbar war auch sie erst durch den Schrei der Kleinen auf diese aufmerksam geworden. Während die kleine Hündin trocken und zufrieden ihre erste Milch zu sich nimmt, warte ich auf die Nachgeburt, die noch nicht abgegangen ist. Da Amie wieder relativ starke Wehen hat, gehe ich davon aus, dass sie jeden Moment kommen muss. Nach 15 Minuten ist dann endlich etwas zu sehen, allerdings staune ich nicht schlecht als mir klar wird, dass es sich hierbei keineswegs um die zu erwartende Plazenta handelt, sondern um eine weitere Fruchtblase mit zwei winzigen Hinterpfoten darin. Also hatten wir auf dem Röntgenbild einen Welpen übersehen!

Leider sind die Wehen zu diesem Zeitpunkt schon sehr schwach und die Fruchtblase verschwindet immer wieder ohne wirklich voran zu kommen. Das ist mein persönlicher Albtraum: Schließlich habe ich bei dem vom VDH veranstaltetem Züchterseminar gelernt, dass es nun schnell gehen muss, damit der Welpe keinen gesundheitlichen Schaden erleidet. Nach 20 Minuten erfolglosem, weil zu schwachen Pressen, ist Amie vollends erschöpft. Auch das Traubenzuckerwasser zeigt keine Wirkung mehr. Um die Wehentätigkeit anzuregen gebe ich ihr nun im Wechsel Caulophyllum D6 und Secale Cornutum D6. Und das hilft! Die Wehen werden stärker und mit jedem Pressen kommt die Fruchtblase etwas voran, bis ich den Welpen schließlich vorsichtig an der Hüfte zu fassen bekomme und ihn mit jeder Wehe etwas weiter vorlagern kann. Nach einer letzten Kraftanstrengung ist es dann endlich geschafft, ich öffne die Fruchtblase und der kleine Kerl macht seinen ersten Atemzug!

Erstaunlicherweise ist der Rüde putzmunter und drängelt sich schon bald durch seine Geschwister an die größte Zitze.

Mittlerweile ist es 14:45 Uhr. Nach über 8 Stunden hat Amie 8 kerngesunde, wunderschöne kleine Whippetkinder auf die Welt gebracht!

 

Während der gesamten Geburt hat Amie ein sehr gutes, instinktsicheres Verhalten gezeigt, fast jeden Welpen vorsichtig abgenabelt und ordentlich trocken geleckt. Sie kümmert sich seit der ersten Sekunde aufopferungsvoll um ihre Kinder. 

Ich dagegen kam trotz intensiver Vorbereitung mit zahlreicher Lektüre und Gesprächen mit anderen Züchtern und Tierärzten an meine Grenze. Und dabei habe ich nicht mal den schwersten Part bei dem Ganzen gehabt! Darum kann ich jedem Neuzüchter nur raten: Sich ordentlich auf die Geburt vorzubereiten ist wichtig und sinnvoll. Wenn es dann soweit ist, kommt aber doch alles anders als geplant und es wird schwer fallen ruhig zu bleiben und die Nerven zu behalten. Aber genau das ist wichtig, um der Hündin Sicherheit zu vermittlen und ihr während der Geburt helfen zu können. Also nicht zu verrückt machen und der Natur ihren Lauf lassen. Und wenn doch ein Eingreifen notwendig ist, dann durchatmen und vorsichtig, aber bestimmt der Hündin Unterstützung leisten.

 

 

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Kommentare: 6
  • #1

    Alisa (Samstag, 14 Januar 2017 13:05)

    Oh, da bin ich aber wirklich froh das mit den kleinen Herzchen alles in Ordnung ist. Die arme Amie hatte ja ganz schön zu kämpfen!
    Ich wünsche euch viel Spaß bei der Aufzucht der Welpis!
    Eure Alisa

  • #2

    Alisa (Samstag, 04 Februar 2017 18:14)

    Es ist einfach nur wunderbar die Aufzucht der kleinen mitzuverfolgen! Ganz besonders hat es mir die kleine Maya angetan:)
    Liebe Josi könntest du mir bitte ncoh eine Frage beantworten: In welchem Alter besucht man mit einem Welpen eine Hundeschule?
    Es würde mich freuen wenn du antwortest!
    Deine Alisa

  • #3

    mylovelywhippet.de (Sonntag, 05 Februar 2017 07:01)

    Hey Alisa,
    schön, dass du die Entwicklung der Kleinen so mitverfolgst :) Die Sache mit der Hundeschule ist meiner Ansicht nach nicht so einfach zu beantworten... Ich empfehle meinen Welpenkäufern zunächst einmal den Besuch einer Welpenspielgruppe, vorausgesetzt, dass diese ordentlich geleitet wird. Dazu gehört, dass maximal acht Welpen die Gruppe besuchen und diese vom Alter, der Größe und ihrem Spielverhalten zusammen passen. Nichts ist so schädlich für die Entwicklung eines Hundekindes, wie wenn es in dieser Anfangsphase der Sozialisierung von Artgenossen überfordert wird und sich gegen zu starke Spielgefährten nicht zur Wehr setzen kann. Dann entwickeln die Kleinen schnell ein Abwehrverhalten gegenüber anderen Hunden, das sie meist ihr Leben lang nicht mehr ablegen. Wenn es um die Erziehung des Whippet geht, ist eine "normale" Hundeschule meistens nicht zu empfehlen. Ein Whippet würde sich zum Beispiel nie ins nasse Gras legen, was viele Hundetrainer nicht akzeptieren wollen. Am besten, du suchst dir daher einen Hundetrainer, der Erfahrungen im Umgang mit Windhunden/Whippets hat. Einen vermehrten Kontakt zu fremden Hunden würde ich grundsätzlich erst zulassen, wenn die zweite Schutzimpfung ihre Wirkung entfaltet, also nach der 12. Woche.
    Liebe Grüße Ida

  • #4

    Alisa (Montag, 06 Februar 2017 19:18)

    Vielen, vielen Dank für deinen ausführlichen Bericht über die Hundeschule. Du eklärst alles immer so schön verständlich und lebhaft!:)
    Das sich ein Whippi nicht so gerne ins Gras legt so wie andere Hunde kann ich mir sehr gut vorstellen.
    Der Whippet ist ja auch etwas ganz Besonderes!
    Ich wünsche dir auch weiterhin viel Spaß und Freude bei der Aufzucht der Herzileins!
    Dein Fan Alisa

  • #5

    Alisa (Montag, 06 Februar 2017 19:23)

    Noch mal eine Frage: willst du aus diesem oder irgenteinen Wurf eigentlich eine Hündin behalten oder soll Amie deine einzie Zuchthündin bleiben?
    Dein Fan Alisa

  • #6

    Alisa (Donnerstag, 16 Februar 2017 19:59)

    Liebe Ida,
    ich habe mir gerade mal wieder dein Welpentagebuch angeschaut und bin restlos von diesen entzückenden Mäntelchen der Welpis begeistert.
    Hat die jemand extra für sie genäht?
    Deine Alisa